am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

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Rückblick: Film- und Diskussionsveranstaltung mit dem Grimme-Preisträger Felix Kuballa auf Einladung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur

Zunächst wurde den zahlreichen Besuchern der Veranstaltung die Reportage "MENSCHEN, KEINE NUMMERN MEHR" gezeigt, die der Autor und Filmemacher Felix Kuballa 2012 zusammen mit Kamilla Pfeffer vorlegte und die die Reise einer Schülergruppe in die Gedenkstätte Auschwitz dokumentiert. Die ca. 40-minütige Dokumentation begleitet die Jugendlichen vor und während ihrer Zeit in der Gedenkstätte. Schon nach den ersten Minuten wird deutlich, dass es sich um eine vielfältige Gruppe handelt, in der verschiedene Nationalitäten, aber auch verschiedene Einstellungen zum Holocaust vertreten sind. Die Jugendlichen zeigen sich zunächst neugierig und sind gespannt, auch sehr problematische Einstellungen werden geäußert. In der Gedenkstätte - konfrontiert mit dem Ausmaß der Gewalt, der Vernichtung und den einzelnen Lebensgeschichten - zeigen viele der Schüler sehr starke emotionale Reaktionen. Wie der Titel bereits verspricht, erkennen die Heranwachsenden, dass hinter den Nummern Menschen und Familien mit konkreten Lebensgeschichten stehen. Die Reportage macht deutlich, dass der Besuch von Gedenkstätten etwas in den Schülern auslöste, was der Unterricht vorher nicht erreichte - und das auch und gerade bei Schülern, die eine problematische Einstellung zum Dritten Reich gezeigt hatten.

Nach der Dokumentation folgte eine intensive Diskussionsrunde mit Felix Kuballa, der seine Motivation hinter der Film-Idee  erklärte, auf den Entstehungsprozess einging und die Reaktion der Öffentlichkeit schilderte. Die Sendung sorgte nach ihrer Ausstrahlung für einige Diskussionen und Empörungen (nicht zuletzt ausgelöst durch den Komiker Jan Böhmermann), mit denen Kuballa nach eigenem Bekunden nicht gerechnet hatte und die er mit dem Plenum diskutierte. Während dieser Diskussion wurde deutlich, dass Gedenkstättenfahrten großes Potential bei der Auseinandersetzung mit dem Holocaust bieten, aber eine intensive pädagogische Begleitung vor, während und nach der Fahrt unabdingbar ist.


Weitere Holocaust-Professur in Hessen

Prof. Dr. Sascha Feuchert tritt die Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur an – Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik – Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt Ausbau der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen – Enge Kooperation mit der bundesweit ersten Holocaust-Professur an der Goethe-Universität Frankfurt und dem Fritz Bauer Institut

Nach Frankfurt bekommt nun Gießen die zweite Holocaust-Professur Hessens: Prof. Dr. Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), übernimmt zum 1. Juni 2017 die an der JLU neu eingerichtete Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik. Neben der literaturwissenschaftlichen und didaktischen Auseinandersetzung mit Holocaust- und Lagerliteratur ist das Ziel der Gießener Professur, die Erinnerung an den Holocaust durch einen aktiven Umgang mit der Literatur auch dann noch zu sichern, wenn die Generation der Zeitzeugen in naher Zukunft nicht mehr da sein wird.

Mit dieser Professur wird die Holocaustforschung in Hessen weiter gestärkt und vernetzt. Anfang Mai hatte Prof. Dr. Sybille Steinbacher die bundesweit erste Holocaust-Professur an der Goethe-Universität Frankfurt angetreten, deren Fokus auf der Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust liegt. Steinbacher ist zudem Direktorin des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main, das die Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen erforscht und dokumentiert. Zwischen den beiden komplementär ausgerichteten Holocaust-Professuren in Gießen und Frankfurt sowie dem Fritz Bauer Institut wird es eine enge Zusammenarbeit auf der Grundlage des im Jahre 2015 abgeschlossenen Kooperationsvertrages geben.

Gefördert wird die Gießener Professur von der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich. Gleichzeitig unterstützt das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) über das Innovations- und Strukturentwicklungsbudget des Landes den Ausbau der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU bis Ende 2020 mit jährlich knapp 200.000 Euro.

Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, betont: „Die Unterstützung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur ist mir ein wichtiges Anliegen. Gerade die Dokumente der Opfer werden nach dem ‚Zeitalter der Zeitzeugen‘ eine überragende Bedeutung für die schulische Bildungsarbeit und insgesamt als Gedächtnis für die ganze Gesellschaft erhalten. Die damit verbundene Erweiterung der Forschung über die in Frankfurt angesiedelte Holocaust-Professur hinaus macht Hessen zu einem bedeutenden Zentrum in der Holocaustforschung.“

„Mit dieser Professur nimmt die Universität Gießen auch ihre Verantwortung an, an die dunklen Zeiten deutscher Geschichte zu erinnern“,  so JLU-Präsident Prof.. Dr. Joybrato Mukherjee. „Aus der ehrlichen und kritischen Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit beziehen wir Einsichten über die Gegenwart und lernen für die Zukunft: ‚Zukunft braucht Herkunft‘, wie der Gießener Philosoph Prof. Odo Marquard treffend formulierte. Ich freue mich daher sehr darüber, dass Prof. Sascha Feuchert seine hervorragende Arbeit als Leiter der international renommierten Arbeitsstelle Holocaustliteratur nun im Rahmen einer ordentlichen Professur fortführen kann.“

„Ich bin überaus glücklich, dass es diese Professur jetzt an der Justus-Liebig-Universität Gießen gibt“, so Prof. Dr. Sascha Feuchert. „Sie kann sicherstellen, dass die literarischen Zeugnisse über den Holocaust auch in Zukunft eine gesellschaftlich bedeutsame Rolle spielen können. Dass der Umgang mit Holocaust- und Lagerliteratur an der JLU Teil auch der Lehrerausbildung bleibt, ist gerade jetzt enorm wichtig.“

Sascha Feuchert, Jahrgang 1971, studierte Germanistik, Anglistik und Pädagogik für das Lehramt an Gymnasien an der JLU. Im Jahr 2003 promovierte er mit einer Arbeit zu „Oskar Rosenfeld und Oskar Singer – zwei Autoren des Lodzer Gettos. Studien zur Holocaustliteratur“.  Am Institut für Germanistik der JLU ist er seit dem Jahr 2000 tätig, zuletzt als Vertreter der neuen Professur für Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur und ihre Didaktik. Im Juli 2008 übernahm Feuchert die Leitung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU, deren stellvertretende Leitung er seit 2000 innehatte. Für seine Arbeit erhielt er verschiedene Auszeichnungen, darunter die Medaille „Für Verdienste um Gesellschaft und Wissenschaft“ der Universität Lodz, Polen, (2006) sowie den Wolfgang-Mittermaier-Preis für hervorragende akademische Lehre der Erwin-Stein-Stiftung (2009). Im Jahr 2009 wurde Feuchert zum Honorarprofessor am Department of World Languages (German Section) der Eastern Michigan University, USA, ernannt. Seit 2012 ist er Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschland.



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