am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Getto-Chronik

Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt - Projektbeschreibung

Deutsche Chronikseite
Deutsche Chronikseite

Der Schwerpunkt der Forschung an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur lag in den letzten Jahren auf der Erschließung, Edition und Auswertung von Texten aus dem Getto Lodz/Litzmannstadt, allen voran der Chronik des Gettos.

Neben den zahlreichen privaten Tagebüchern, Reportagen und der Überlieferung der jüdischen wie der deutschen Gettoverwaltung ist die Chronik eine einzigartige und dichte Quelle für das Verständnis und die Erforschung der Geschichte des Gettos und seiner Bewohner. Innerhalb des Archivs der jüdischen Gettoverwaltung arbeitete eine Gruppe von Mitarbeitern ab Januar 1941 an der Chronik des Gettos. Tagesaktuell hielten die Chronisten die wichtigsten Ereignisse fest, notierten statistische Daten zur Bevölkerungszahl, den Krankheiten, Todesursachen etc. oder verfassten kurze feuilletonistische Texte über verschiedene Aspekte des Gettolebens. Diese täglich geschriebenen Chronikeinträge, die bis Ende Juli 1944 fortgeführt wurden, vermitteln dem heutigen Leser ein eindrucksvolles Bild von der Geschichte des Gettos.


Polnische Chronikseite
Polnische Chronikseite

In einem mehrjährigen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten deutsch-polnischen Projekt haben Wissenschaftler der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, der Universität Lodz sowie des Staatsarchivs Lodz die erste vollständige Edition dieses zentralen Textes für die Geschichte des Gettos und seiner Bewohner erstellt. 2007 erschien die deutsche Ausgabe in fünf Bänden im Göttinger Wallstein Verlag, 2009 die fünfbändige polnische Fassung im Universitätsverlag Lodz.

In der Edition ist durch die kritische Zusammenführung aller überlieferten Textzeugen die vollständige Chronik erstmals einem breiten Publikum zugänglich. Eine ausführliche Kommentierung der sprachlichen Eigenheiten sowie der historischen Kontexte runden die Edition ab. Da die Chronik jedoch gewissen Beschränkungen unterlag und somit kein vollständiges Bild des Gettos bieten kann, haben die Herausgeber darauf Wert gelegt, sie umfassend mit Hilfe zahlreicher Tagebücher, Erinnerungen und Dokumente in einen breiteren Kontext einzubetten. Erst so entsteht ein umfassender perspektiven- und stimmenreicher Blick auf das Getto und vor allem auch auf die Menschen, die dort litten.


Die deutsche Ausgabe hat in den großen überregionalen deutschen Zeitungen wie der FAZ, der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Rundschau oder der Zeit breite Beachtung gefunden und wurde einhellig sehr positiv aufgenommen. Zahlreiche weitere Rezensionen erschienen in der Presse sowie in zahlreichen Fachjournalen.

Eine Reihe von weiteren Projekten zum Getto Lodz/Litzmannstadt hat die Editionsarbeit an der Printausgabe der Getto-Chronik vorbereitet, begleitet oder weiter geführt:

In einem deutsch-polnischen Projekt hat die Arbeitsstelle Holocaustliteratur die Reportagen von Dr. Oskar Singer, einem der Autoren der Chronik, 2002 unter dem Titel „Im Eilschritt durch den Getto-Tag“ veröffentlicht. Finanziell getragen wurde die Edition durch die Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich und die RAG Essen.

Anlässlich des 60. Jahrestages der Liquidierung des Lodzer Gettos (2004) erschien im Wallstein Verlag mit dem Band „Letzte Tage. Die Lodzer Getto-Chronik Juni/Juli 1944“ eine Vorabveröffentlichung der letzten beiden Monate der Chronik. Ermöglicht wurde diese Publikation durch die Unterstützung seitens der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich und des Auswärtigen Amtes.

Die ab 1942 zentralen Autoren der Chronik, Oskar Rosenfeld und Oskar Singer, und ihre Werke hat Sascha Feuchert in seiner Dissertation ausführlich untersucht. Sie erschien 2004 im Peter Lang Verlag unter dem Titel „Oskar Rosenfeld und Oskar Singer - zwei Autoren des Lodzer Gettos“.

Seit 2011 ist das letzte Jahr der Chronik auch online verfügbar. Die Arbeitsstelle hat für dieses Projekt im Rahmen der hessischen Exzellenzinitiative LOEWE mit dem Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Gießen, dem Herder-Institut Marburg und der Technischen Hochschule Mittelhessen kooperiert.

Der Hessische Rundfunk widmet bis August 2012 in einem einmaligen Experiment ein Jahr lang seine tägliche Lesung den letzten zwölf Monaten aus der Chronik. Täglich kann man die jeweiligen leicht gekürzten Einträge um 12.55 auf HR2 hören.

Rezensionen zur Getto-Chronik

Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt wurde im nationalen und internationalen Feuilleton breit besprochen. Unter anderem sind Rezensionen erschienen in:



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