Die studentische Arbeitsgemeinschaft „Zeitzeugengespräch mit Elisabeth Hoffmann“ lädt am Freitag, den 30. Oktober 2026, um 19 Uhr zu einer öffentlichen Lesung mit anschließendem Gespräch in den Margarete-Bieber-Saal der Justus-Liebig-Universität ein.
Als Tochter der Schriftstellerin und Journalistin Cordelia Edvardson und Enkelin der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer wird Elisabeth Hoffmann aus dem autobiografischen Roman ihrer Mutter „Gebranntes Kind sucht das Feuer“ lesen und über die Geschichte der Familie, ihre Perspektive als Nachfahrin und damit verbundene erinnerungskulturelle Fragen sprechen.
Im Mittelpunkt des Abends steht die Geschichte dreier Frauen, deren Biografien auf besondere Weise miteinander verbunden sind.
Elisabeth Langgässer (1899–1950) wurde vor allem durch ihre Lyrik sowie ihre katholisch und mythologisch geprägten Werke bekannt. 1936 verhängten die Nationalsozialisten ein Publikationsverbot über sie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie zu einer bedeutenden Stimme der deutschen Nachkriegsliteratur. Zugleich war das Verhältnis zu ihrer Tochter Cordelia von den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der NS-Zeit geprägt. Das Verhalten gegenüber der jüdischen Tochter sowie die Umstände ihrer Trennung von der Familie und ihrer späteren Deportation werfen schwierige Fragen auf.
Cordelia Edvardson (1929–2012) wurde im März 1944 nach Theresienstadt und anschließend nach Auschwitz deportiert. Dort musste sie Zwangsarbeit leisten, zunächst in der Glühbirnenproduktion, später als Schreibkraft, unter anderem für den SS-Arzt Josef Mengele. 1945 erlebte sie die „Befreiung“ und gelangte mit einem der sogenannten „Weißen Busse“ nach Schweden, wo sie später als Journalistin arbeitete. In ihrem 1984 zunächst auf Schwedisch erschienenen und 1986 erstmals auf Deutsch veröffentlichten autobiografischen Roman „Gebranntes Kind sucht das Feuer“ zeichnet Edvardson ihren Lebensweg in fragmentarischer Form nach. Sie setzt sich darin aber auch mit der komplexen Beziehung zu ihrer Mutter auseinander.
Mit Elisabeth Hoffmann wird diese Familiengeschichte in die Gegenwart weitergeführt. Aus dem Werk ihrer Mutter lesend, eröffnet sie zugleich eine Perspektive auf die Weitergabe und Verarbeitung von Erinnerung über Generationen hinweg. Als Angehörige der zweiten Generation nach dem Holocaust spricht sie über die Biografie ihrer Familie und ihre Erfahrungen als Tochter und Enkelin zweier Schriftstellerinnen.
Die Veranstaltung wird von einer studentischen AG konzipiert, organisiert und durchgeführt. Die AG entstand auf Initiative der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und der Zeitgeschichte der JLU Gießen im Rahmen des Akzentbereichs „Holocaust- und Lagerliteratur“. Unterstützt und gefördert wird die Veranstaltung durch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung.
Die Lesung richtet sich an Studierende ebenso wie an die interessierte Öffentlichkeit.