Die Arbeitsstelle Holocaustliteratur nahm am 30. September gemeinsam mit Mitarbeiter:innen und weiteren Interessierten an einer digitalen Führung durch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau teil. Unter dem Titel „Auschwitz. In Front of Your Eyes“ führte ein Museumsguid der Gedenkstätte in zwei Einheiten durch die Geschichte des ehemaligen deutschen nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Die rund zweistündige Online-Tour wurde live geleitet und verbindet die Führung mit multimedialen Elementen, darunter Archivfotografien, Kunstwerke, Musik, Dokumente und Berichte von Überlebenden.
Das digitale Format ermöglicht Einblicke in Bereiche, die bei einem regulären Besuch vor Ort teilweise nicht zugänglich sind. Dazu gehörten etwa das Innere von Block 10, in dem während der NS-Zeit pseudo-medizinische Experimente an Häftlingen durchgeführt wurden, sowie digital rekonstruierte Darstellungen der Gaskammern. Im Anschluss an die Führung bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit dem Guide über historische Zusammenhänge und Formen ihrer Vermittlung ins Gespräch zu kommen.
Im anschließenden Reflexionsgespräch erörterten die Teilnehmenden das Potential digitaler Erinnerungskultur und Gedenkstättenpädagogik. Auf der Website der Foundation Auschwitz-Birkenau findet sich der Hinweis, dass „[d]as digitale Format […] den persönlichen Besuch der Gedenkstätte nicht ersetzen, sondern ergänzen [soll und kann]“ und weiter, dass „[d]ie Nutzung moderner Technologie […] neue Formen der historischen Vermittlung ermöglicht“. Diese Einschätzung teilten auch die Teilnehmenden und hielten fest, dass das digitale Angebot grundsätzlich interessante und wertvolle Möglichkeiten insbesondere in vor- oder nachbereitender Nutzung in der Beschäftigung mit Gedenkstätten schaffen kann. Das Einspielen von Aussagen von Zeitzeug:innen schafft zudem einen Rahmen, der bei einer Führung vor Ort nur schwer herzustellen ist und trägt so zu einer stärkeren Immersion bei.
Insgesamt wurde deutlich, dass die Bedeutung von einem Gedenkstättenbesuch in Auschwitz in besonderer Weise mit dem konkreten Ort, seiner Topografie und seiner materiellen Überlieferung verbunden ist. Das digitale Format setzt hier eigene Akzente und eröffnet zugleich zusätzliche Perspektiven: Durch seine spezifischen Vermittlungsmöglichkeiten können Zusammenhänge anders erschlossen und auch Bereiche zugänglich gemacht werden, die bei einem Besuch vor Ort nicht oder nur eingeschränkt besichtigt werden können. Zugleich bleibt eine unmittelbarere Wahrnehmung des historischen Ortes mit Erfahrungen verbunden, die sich nur bedingt in den digitalen Raum übertragen lassen.
Weitere Informationen zur Online-Tour können hier eingesehen werden.