am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen

Forschungsprojekt

Forschungsprojekt "GeoBib"
Forschungsprojekt "GeoBib"

„Frühe deutsch- bzw. polnischsprachige Holocaust- und Lagerliteratur (1933-1949) – annotierte und georeferenzierte Online-Bibliographie zur Erforschung von Erinnerungsnarrativen“

Projektpartner: Arbeitsstelle Holocaustliteratur, Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI), Professur für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik, Institut für Geographie (alle JLU Gießen) sowie Herder-Institut (Marburg)

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Start Juli 2012

Online: http://www.geobib.info

Ziel des Projekts ist es, die frühen Texte der deutsch- bzw. polnischsprachigen Holocaust- und Lagerliteratur von 1933-1949 bibliographisch in einer Online-Datenbank zu erfassen. So können diese frühen Texte, die in weiten Teilen aus dem kulturellen und kollektiven Gedächtnis verdrängt wurden, überhaupt erst wieder auffindbar gemacht und für die öffentliche, wissenschaftliche und didaktische Wahrnehmung erschlossen und aufbereitet werden. Ergänzt werden die bibliographischen Einträge durch inhaltliche und biographische Annotationen sowie Georeferenzierungen (Informationen zu Orten und Plätzen anhand von Kartenmaterial).

Weitere Informationen finden Sie auch unter http://www.geobib.info .

Erinnerungsdiskurse in der Holocaust- und Lagerliteratur nach dem Verschwinden der Zeitzeugen

Nach wie vor besitzt das Erinnerungsgebot an den Holocaust hohe politische und öffentliche Relevanz. Der Holocaust und sein Nachwirken auf Erinnerungsdiskurse stellt in den davon direkt betroffenen Ländern noch immer ein zentrales Forschungsfeld dar. Dies gilt in besonderem Maße für die Länder Deutschland und Polen – Deutschland als demjenigen Land, von dem die Verbrechen ausgingen, Polen als Schauplatz der Massenvernichtung und Land der erzwungenen Zeugenschaft.

Schon bald wird es jedoch keine unmittelbaren Zeugen der NS-Verbrechen mehr geben. Übrig bleiben dann "nur" noch die Texte, die von der Katastrophe zeugen und diese dokumentieren. Diese "Testamente" der individuellen Erinnerungen gilt es zu bewahren, in vielen Fällen gar noch zu erschließen und einer kollektiven Erinnerung nach der Zeitzeugenschaft zugänglich zu machen.

Titelseite: Emil de Martini: "Vier Millionen Tote klagen an!". Hans von Weber Verlag, München 1948.
Titelseite: Emil de Martini: "Vier Millionen Tote klagen an!". Hans von Weber Verlag, München 1948.

(Wieder)Entdeckung der frühen Texte

Gerade den frühen Texten der Holocaust- und Lagerliteratur kommt ein besonderer Stellenwert zu. Bereits parallel zu Verfolgung und Vernichtung erschienen Werke im Exil und Untergrund, vor allem aber in der Phase zwischen 1944/45 und 1948/49 wurden zahlreiche deutsch- bzw. polnischsprachige Texte publiziert.
Die große Bedeutung dieser frühen Zeugnisse liegt unter anderem darin, dass sie ein doppeltes Zeugnis ablegen: Von den nationalsozialistischen Verbrechen selbst, zu dem sie in unmittelbarer zeitlicher und räumlicher Nähe stehen, aber auch von den spezifischen Entstehungskontexten in Deutschland und Polen. Häufig zeichnen sich die Texte zudem durch einen stark didaktisierenden und politischen Charakter aus.

In weiten Teilen sind gerade diese frühen Texte jedoch vergessen und aus dem kollektiven und kulturellen Gedächtnis gedrängt worden. Eine systematische und umfassende Bibliographie der Holocaust- und Lagerliteratur insgesamt und besonders der Texte der Jahre 1933 bis 1949 steht bisher ebenso aus wie eine darauf basierende umfassende Forschung. Diese Lücke soll mit dem Projekt nun endlich geschlossen werden.


Annotierte und georeferenzierte Online-Bibliografie

Ziel des Projekts ist es, eine systematische, annotierte und georeferenzierte Online-Bibliographie der frühen Texte der deutsch- bzw. polnischsprachigen Holocaust- und Lager­literatur von 1933-1949 zu erstellen. Ihre bibliographische Erfassung ist die unabdingbare Voraussetzung dafür, diese Texte wieder auffind­bar zu machen.

Die Bibliographie wird zudem die Forschungsperspektiven erheblich erweitern und Grundlagenmaterial für die Erforschung des gesamten Genres bereitstellen. Dadurch können bislang nicht untersuchte Ent­wicklungen in der Holocaust- und Lagerliteratur sichtbar gemacht werden.
So wird beispielsweise in der kartografischen Umsetzung erkennbar, wo, wann und in welcher Sprache Schwerpunkte in den Zeugnissen lagen und diese ggf. mit welcher Wirkung publiziert wurden. Fer­ner lässt sich nachvoll­ziehen, wann bestimmte Orte verstärkt thematisiert wurden und wann sie wieder in den Hinter­grund traten. Über Karten können gezielt Texte zu einer bestimmten Re­gion oder Suchergebnisse ausgewählt und angezeigt werden. Mit einem Blick lassen sich so bei­spielsweise "weiße Flecken" der Erinnerungslandschaft erfassen. Die bibliographischen Daten sollen zudem durch inhaltliche Annotationen und in weiteren Schritten durch Autorinformationen, Rezensionen und Sekundärliteratur er­gänzt werden.

Forschungsprojekte und -perspektiven

Die Bibliographie ermöglicht neben dem direkten Erkenntnisgewinn auch neue Fragestellungen und Forschungsfelder. Diese ergeben sich zum Beispiel im deutsch-polnischen Vergleich, aber auch im Hinblick auf die kritische Überprüfung bisheriger Forschungsannahmen sowie Untersuchungen von Rezeptionsprozessen.

Begonnen und geplant wurden an der Arbeitsstelle unter anderem bereits Forschungsprojekte zu folgenden Themen:
 

  • "Taube Ohren und harte Herzen"– Produktions- und Rezeptionsproblematik der Lagerliteratur deutschsprachiger Autoren unter westalliierter Besatzung 1945 bis 1949

Kontakt

Projektverantwortlicher an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur:
Hon.-Prof. Dr. Sascha Feuchert
Email: sascha.feuchert (at) germanistik.uni-giessen.de

Kontakt Projektgruppe Arbeitsstelle Holocaustliteratur:
Telefon: 0641 99-29083
E-Mail: arbeitsstelle.holocaustliteratur (at) germanistik.uni-giessen.de


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